10.000 km quer durch Neuseeland
09.11.24 Hamburg über London nach LA
Angekommen am Eincheckschalter und mit der Gewissheit, an Surfgepäck alles angemeldet zu haben, wurden wir schnell in die Realität zurückgeholt, als es hieß, 150 € pro Kitebag. Angeblich sei unser Kitegepäck 8 kg zu schwer. Eigentlich sind wir extra über LA geflogen, damit wir zusätzlich 23 kg Surfgepäck mitnehmen können. Mit Engelszungen diskutiert, darin sind wir mittlerweile ja geübt, hatten wir dann doch Glück und „ausnahmsweise“ wurden die Sachen mitgenommen.
Bis London alles gut. In London glücklich im Jumbo angekommen, wieder ne nette Überraschung. Sitzt da nicht ne nette gutaussehende Dame mit bestimmt 140 kg Übergewicht auf der 3er-Reihe. Gut, Preston sitzt am Fenster und die schmale Rita neben der fat Lady. Sie konnte kein Englisch und hielt es für normal, die Hälfte von Ritas Sitz auch noch mit einzunehmen. Sie war weder in der Lage, die Rückenlehne alleine zurückzustellen, den Fernseher zu bedienen, geschweige denn, alleine aufzustehen.
Somit waren wir fast die ganze Flugzeit an unseren Sitz gefesselt und durften uns an ihrem Räucherstäbchenduft gemischt mit Curry berauschen.
In LA leicht angeschlagen angekommen, fehlte dann auch glatt ein Kitebag. Wohl in London liegen geblieben. Ach, ne…Die Letzten, die aus dem Flughafen kamen, natürlich ohne Bag, waren wir.
Nun haben wir ein King-Size Zimmer im Holiday Inn genossen und sind trotz allem um 22 Uhr aufgebrochen, den Hollywood Blv und den Walk Of Fame zu besichtigen
Heute geht’s an den St. Monica Beach, Beine ausschütteln für den nächsten Turn heute Abend.
Hoffen wir, dass das Bag nachgeschickt wird und wir uns alle in Neuseeland glücklich vereint wieder sehen.
Zur Info: Eigentlich dachten wir, hier in LA ist es warm. Nichts da. Zumindest nachts ist so kalt wie zu Hause.
Dafür gab es ein fantastisches Frühstück im Hotel und danach auf Sightseeing quer durch L.A. mit einem Shuttle-Bus. In ein paar Stunden geht's dann los nach Auckland. Hoffentlich ist unser Bag mittlerweile angekommen... Sonst ist Durchdrehen angesagt
25.11.09-26.11.09 Der Trip von Auckland an die Nordspitze
Nach userer Stadttour quer durch L.A. sind wir beide etwas angeschlagen. Zu Hause ist es Mitternacht und irgendwie fällt es schwer, sich mit der prallen Sonne auseinanderzusetzen. Wir sind also etwas früher zum Flughafen gefahren, in der Hoffnung, unser verloren gegangenes Boardbag möglichst noch vor Abflug zurück zu bekommen.
Dort angekommen ging es sofort zum Check-In und schneller als gedacht war alles aufgeben.
In Bezug auf unser fehlendes Bag wird uns geraten, eine Stunde vor Abflug noch mal zum Schalter zu kommen. Gegen 20.00 Uhr stehen wir dann am Schalter und hoffen, dass die gerade angekommene Boing unser Bag mitgenommen hat. Stattdessen erfahren wir, dass unser Bag angeblich schon in Neuseeland sei. Häää? Wie geht das denn? Wenn nur eine Maschine am Tag um 21.00 Uhr nach Neuseeland fliegt, … irgendwas stimmt hier nicht.
Positiv denken und schon spazieren wir als letztes in die Maschine nach Auckland.
Auf dem Weg ans Ende der Maschine fällt uns eine leer stehende Viererreihe auf, genauso wie die Augen der umliegenden Personen, die alle darauf warten, dass wir an dieser Reihe vorbeigehen und unsere zwei Plätze im hinteren Teil der Maschine einnehmen. Wir entscheiden uns sofort gegen unsere eigentlich zugewiesenen Plätze und für die freie Reihe zum Entsetzen derer, die auf unsere neu in Beschlag genommene Reihe scharf waren.
Kaum dass der Flieger abhebt, liegen wir quer auf den Sitzen und überstehen schlafend ¾ des Fluges.
Der Flieger setzt in Auckland pünktlich am 25.11.09, um 07.00 Uhr, auf und gerade, als wir den Flieger verlassen wollen, spricht uns ein Mann an und fragt uns, warum wir nicht in Lindhöft kiten sind. Waaas? Wie? Lindhöft? Er sei Windsurfer und hätte uns mehrfach in Lindhöft, 3km von uns zu Hause entfernt, gesehen und uns eben wieder erkannt.
Was für ein Zufall. Er hat sich 3 Monate Zeit für sich und seine Familie genommen und fliegt gleich weiter in den Süden. Irgendwann auf dem Flughafen sehen wir ihn an uns vorbei laufen und dabei schreien, dass ihr komplettes Gepäck weg ist…(ha,ha die Nummer kommt uns bekannt vor)
Noch ein kurzer Nachtrag zum Datum. Es ist tatsächlich der 25.11. Wir sind in L.A. am 23.11. losgeflogen und am 25.11. um 07.00 Uhr angekommen. Also irgendwie 34 Stunden später, obwohl der Flug nur 12 Stunden gedauert hat. Ein Tag weg. Man kann es sich zwar irgendwie erklären, aber merkwürdig ist es trotz alledem. Im Terminal laufen mehrere Beagle’s herum und riechen an sämtlichen Taschen und Touristen, um mitgebrachtes Obst oder Gemüse zu finden. Bei uns gabs aber nichts zu holen.
Unser verloren geglaubtes Bag ist auch wieder da. Raus aus dem Flughafen und kurz vorher noch mit dem Womo-Vermieter tel., der uns 10min später abholen lässt. Blauer Himmel, es ist warm und fühlt sich an wie ein warmer Maitag bei uns zu Hause.
An der Vermietstation angekommen, steht unser Camper, ein Fiat Ducato mit 2,3l und innen so was von unsinnig verbaut, dass mir die Haare zu Berge zu stehen, als ich unser Gepäck hinter dem Auto liegen sehe und dem gegenüber die 3 oder 4 Schubfächer an der Wand. Wie bitte soll hier unser Gepäck rein? Ohne Surfgepäck dürfte das für 2 Monate schon schwer werden, aber mit Surfgepäck eigentlich unmöglich. Meine Stimmung schlägt um, weil ich gedanklich schon vor mir sehe, wie wir den ganzen Tag nur am Räumen sind. Dazu noch eine winzige Gasflasche, dafür aber eine riesige Sitzfläche, die kein Mensch braucht. Ich schätze mal, 50% vom Fahrzeug besteht aus Sitzbänken. Hier haben bestimmt 8 Leute Platz. Wer braucht denn das? Das kleine Bad direkt hinter dem Sitz, ne Mikrowelle, Kühlschrank, Toaster…Die Sitzbänke derart tief angebracht, dass kaum etwas drunter passt. Rita ist erstaunlich ruhig geblieben, was mich irgendwie noch mehr verunsichert.
Wir lassen uns noch einen Fahrradgepäckträger anbauen und los geht’s in Richtung Norden.
Kurz angehalten und eingekauft. Es gibt eigentlich dasselbe wie bei uns, nur alles teurer.
Der Einkauf mit der Grundversorgung kostete mal eben 180 $, also 90 €.
An Auckland vorbei zieht es uns Richtung Strand. Wir fahren ca. 100km und kommen in Piha an. Die Straßenbreite war zeitweise derart schmal, dass man beim Vorbeifahren der entgegenkommenden Fahrzeuge kurz das Gesicht zur Faust ballt und die Luft anhält und hofft, dass es nicht knallt. Rita ist hin und wieder etwas forsch geworden, als sie uns schon fast im Graben sah. Aber Linksverkehr, wirklich richtig enge Straßen und Serpentinen, daran muss man sich auch erst mal gewöhnen.
Mittlerweile habe ich mich besser darauf eingestellt, weiß aber des Öfteren an Kreuzungen und Kreiseln nicht, wohin ich schauen soll. Naja, Rita sitzt neben mir und sagt immer wieder, Preston! Linksverkehr, Linksverkehr! Hin und wieder verschlägt es mich auch beim Einfahren in eine Straße auf die falsche Straßenseite. Angekommen in Piha und gleich an den Strand. Fetter Beach mit richtig fetten Waves, umringt von hohen Bergen. Der Wind reicht nicht zum Kiten, also kurz was Essen und ab ins Bett.
Gleich nach dem Frühstück gehts weiter nach Muriwai. Der Weg dorthin glich einer Odyssee, weil wir Straßen befahren, die es auf der Karte gar nicht gibt und km-Angaben auf der Karte nicht mit Realität übereinstimmen und hier auf Schildern schon gar nicht existieren.
Wir fahren an Wasserfällen vorbei durch dichten Dschungel und stehen vor dem nächsten Strand mit Wind, lang auslaufenden Wellen und einem Kiter. Umgezogen und raus auf Wasser. Stundenlang in die Wellen, die beängstigend hoch sind und einen hin und wieder komplett überrollen und einen mehrfach in den Schleudergang versetzen.
Das Wasser ist angenehm warm und wir haben genau richtig eingepackt. Salziger als in der Ostsee, vor allem dann, wenn man überspült wird und das Wasser durch die Nase einsaugt- bäh.
Danach ins Auto und es geht weiter in Richtung Norden. Während wir die km in Richtung Norden zurücklegen, fällt uns beiden auf, dass die Vegetation permanent wechselt und der Spritpreis immer gleich bleibt.
Erst stehen Laubbäume auf flacher Ebene am Straßenrand, eigentlich alles wie zu Hause. 10 min später fährt man durch fette Serpentinen und alles voller Palmen und Farne, dichter Dschungel, so weit das Auge reicht, wie auf Cuba und dann plötzlich Berge mit Graslandschaften, wie in Irland, dann wieder kleine Nadelgewächse und Windflüchter wie in Dänemark. Das wechselt, so unglaublich das klingt, innerhalb von Minuten. Unfassbar.
Am Straßenrand sind in regelmäßigen Abständen Toiletten und Sitzgelegenheiten. Das Einzige, was fehlt, sind Müllbehälter. Überall steht: “Bitte den Müll mitnehmen“. Ist ja kein Problem, aber mittlerweile werden die Tüten im Auto immer größer und auch auf den Campingplätzen gibt es keine Müllentsorgung. Also zur Tankstelle, um die Gasflasche zu befüllen. Und siehe da, ein kleiner Minimülleimer mit einer Öffnung so groß, dass gerade eine Plastikflasche hindurchpassen würde. Ich nehme den Müllbeutel und gebe alles. Es muss rein, irgendwie. Passt nicht. Ich lasse es stecken und verschwinde zum Tankwart, der gerade dabei ist, die Gasflasche auszutauschen.
Man sagte uns, dass es hier gemacht wird und man nur den Schlüssel abgeben soll. Aber auf einer Dämlichkeits-Skala von 1-10 war der Tankwart 11. Er war weder in der Lage, sich zu merken, dass er bei uns die Gasflasche tauschen soll, obwohl wir ihn danach vom Auto aus permanent anstarren, noch, den Verschluss aufzudrehen, noch war er in der Lage, die Flasche nach dem Befüllen wieder richtig herum reinzustellen, den Gurt für die Flasche zu befestigen und den Anschluss wieder anzuschrauben. Er ließ alles irgendwann hängen und wir bauten alles selbst wieder ein. Wir können abschließend nur hoffen, dass er die Flasche tatsächlich befüllt hat und nicht leer gemacht hat. Wie dämlich kann ein Mensch denn sein?
Ins Auto und weiter gehts an unzähligen Herr der Ringe Filmdrehorten vorbei in Richtung Norden. Übrigens haben wir uns mit frischen Erdbeeren und Kiwis eingedeckt und tatsächlich, sie sind nicht nur größer, sondern schmecken auch besser. Viel besser.
Kurz nach Sonnenuntergang kommen wir in Pahi an und der Campingplatz am Wasser ist wie ausgestorben. Kein Mensch weit und breit. Ein paar kleine Wohnwagen, die aussehen, wie Ganzjahrescamper, aber sonst alles leer und ausgestorben. Die Toiletten aber offen und sauber und Strom gibt es auch. Rita entdeckt 50m neben uns den „weltgrößten“ Hibiskus. Er steht mitten auf dem Platz und eine Urkunde mit den Maßen daneben. Die Batterie vom Fotoapparat ist platt und muss erst geladen werden. Morgen früh gibt es dann den Beweis.
09-11-27 Weiter zu den Wurzeln Neuseelands, die Kauri's
Morgens aus dem Fenster geschaut und strahlend blauer Himmel. Es ist heute sehr warm, aber nicht heiß. Wir frühstücken und plötzlich kommt Wind. Wir schauen uns an und schmeißen uns in die Klamotten, als wären wir jahrelang nicht auf dem Wasser gewesen. Nicht nur das gibt uns Anlass dafür, sondern auch die traumhafte Vorstellung auf diesem Meeresarm kiten zu gehen.
Kaum aufgebaut, ist der Wind wieder weg. Scheiße! Eingepackt, Fotos vom Hibiskus gemacht und schon sind wir weiter unterwegs in Richtung Norden. Zuvor kam ein Neuseeländer an unseren Bus und verriet uns einige Orte, die wir unbedingt besuchen sollten. Er war so freundlich, uns sogar die Adresse seiner Tochter auf einer Farm auf der Südinsel zu geben. Er lud uns ein, dorthin zu fahren. Ob sie wohl davon weiß? Keine Ahnung!
Wir sind ins Kauri Museum gegangen und haben uns über die Geschichte von Neuseeland informiert. Ein paar Sachsen liefen altklug mit einem deutsch sprachigem Führer durch die Räume. Wir taten so, als würden wir nichts von der Führung und schon gar kein deutsch verstehen und schon war die Führung umsonst.
Danach weiter zu den „Four Sisters“ in den Kauri-Nationalpark mit einer Wanderung quer durch den Dschungel mit wirklich monströsen und uralten Kauribäumen. Auf dem Weg dorthin noch kurz einkaufen und die ersten Warnschilder auf der Straße „Kiwi crossing“. Rita sagt: Preston, fahr nicht so schnell! Nicht, dass wir noch einen überfahren! Man gut, dass Kiwi’s nachtaktiv sind. Aber vielleicht kann ja einer nicht schlafen und geht spazieren…Irgendwann später kommen wir am größten Kauri Baum Neuseelands an, dem „Tane Mahuta“. Wir stehen davor und staunen. Er ist wirklich riesig, auf dem Foto sieht man mich nur dann, wenn man mit der Lupe schaut. Er ist knapp 2000 Jahre alt, knapp 50m hoch und heftig breit. Im Museum gab es welche zu sehen, die mehrere 100.000 Jahre alt waren, aber abgeholzt wurden, um Möbel und Seeljachten aus ihnen zu bauen.
Gegen späten Nachmittag kommen wir in Omapere an und stehen auf einem Felsen, der uns einen Ausblick auf den Eingang eines Fjordes eröffnet. Monsterwellen und türkisblaues Wasser, ein Hauch von Wind und wir denken beide dasselbe.
Rein ins Auto und den Fjord entlang, auf der Suche nach einem geeigneten Startplatz, vorbei an Holzhäusern mit direkter Fjordlage bis zu einem winzigen Strandabschnitt. Gemessene 10knt. Rita sagt nein, Preston sagt ja. Ich schmeiße mir den Neo über und quäle mich mit dem größten Kite rein in den Fjord. Jetzt bloß nicht blamieren. Ich fahre, aber von Spaß kann keine Rede sein. Ich kann nur mit Ach und Krach die Höhe halten und komme nach knapp 10 min wieder rein, als ich sehe, dass Zweifel-Rita mittlerweile auch schon mit Neo am Wasser steht. Wir wechseln den Kite und Rita rockt den Fjord. Scheiße, ich bin zu dick!!! Ich sehe, wie von überall her die Menschen aus den Häusern kommen, wie Autos am Straßenrand anhalten, weil beim Wechsel, der Kite quer über der Straße steht. Nicht ganz der ideale Ort zum Kiten, weil der Strand nur etwa 5 Meter breit ist und wirklich direkt an der Straße liegt. Kein Wunder, dass Autos anhalten, weil ein kleines Wohnzimmer plötzlich über der Straße hängt. Alles gut gegangen und wir fahren glücklich mit tollen Fotos in der Tasche weiter den Fjord entlang bis zu einem Campingplatz, der direkt am Hang liegt und einem einen unvergesslichen Sonnenuntergang über dem Fjord beschert. Apropos Sonnenuntergang!!!!
Bei unserer Ankunft erzählt man uns, da müsst ihr hingehen, um den tollsten Sonnenuntergang zu erleben. Wir sitzen nun an diesem geheimen Ort hinter der Küche am Hang und schauen quer über den Fjord. Es wäre zu schön gewesen, es für sich hätte genießen zu können. Aber der Geheimtipp ist keiner mehr. Nach knapp 10 min wird sich hinter der Küche gedrängelt, was das Zeug hält. Wir kommen uns vor wie in einer U-Bahn Station in Tokio, streichen die Segel und verschwinden mit herzhaftem Gelächter. Auf dem Campingplatz gibt es Wlan und ne Waschmaschine, wo wir für ein paar Dollar unser Wäsche durchwaschen und trocknen können.
09-11-28 Auf zu den Delfinen
Wir sind zum ersten Mal die Letzten, die morgens aufbrechen und warum mich das irgendwie stört, weiß ich selbst nicht….
Mittlerweile hat sich der Bus als einigermaßen praktisch erwiesen, was nicht heißen soll, dass ich in Bezug auf die viel zu langen Sitzbänke, das Kriegsbeil begraben hätte, nein, ich meine damit eher die Kochstelle, Kühlschrank und Dusche. Es ist zwar nett, wenn man im Bus duscht und Wasserdruck wie zu Hause hat, aber so geht das Trinkwasser schneller zuneige als gewünscht.
Der Wassertank und vor allem der Abwassertank sind viel zu klein und die Batterie macht spätestens am zweiten Tag ohne Aufladen die Grätsche. Aber wenn man sich dieser Sachen bewusst wird, passt das schon. Man muss halt spontan umdenken, wenn es plötzlich im Auto ungewöhnlich zu riechen anfängt und wir beide wissen, dass wir es nicht sein können. Es ist leider keine Anzeige für Frischwasser oder Abwasser vorhanden, was hin und wieder dazu führt, dass Ablaufhähne unter dem Auto zu tropfen beginnen, weil sie kurz vor dem Platzen sind. Wir fahren in Rawene los, finden gleich einen Platz auf der Fähre und es geht weiter in Richtung Norden. Als wir am Ninety Mile Beach ankommen, von wo aus man in Bussen zusammen gequetscht zum nördlichsten Punkt Neuseelands gekarrt wird, entscheiden wir uns gegen den Besuch des Nordgipfels und ziehen, da auch leider nicht genug Wind ist, weiter in Richtung Osten. Der Ninety Mile Beach war aber sehenswert, ist mehrere hundert Meter breit und derart lang, dass man das Ende nicht sehen kann. Wir kommen irgendwann am Nachmittag an der Cable Bay in der Doubtless Bay vorbei, steigen aus und was soll ich sagen, es ist Wind. Wir schmeißen uns die Klamotten über und rocken bis zum Dunkelwerden. Links und rechts von uns sind fette Felsbrocken im Wasser. Später sind wir glücklich, dass alles geklappt hat und wir geschafft weiterziehen können bis Paihia. Dort angekommen suchen wir uns ein geeignetes Nachtquartier. Der Ort ist voller Bars und Restaurants. Warum sind wir hier? Delphine!
09-11-29 Bay of Island
Wir stehen früh auf und frühstücken direkt am Strand. Ein volltrunkener Maori steht plötzlich bei uns am Bus und erzählt uns eine Geschichte, die keiner von uns auch nur im Ansatz verstanden hat oder auch nicht verstehen wollte. Zwischenzeitlich dachte ich noch, wehe, der nimmt jetzt eines von unseren Brettern, die draußen zum Trocknen am Bus angelehnt stehen und läuft los. Ich bin barfuß!!!! Bitte nicht, aber ich bin auf dem Sprung…
Wir gehen in die Stadt und schnell entscheiden wir uns für eine Bootstour „discover the bay of island“ / Delphintour. Eine halbe Stunde später sitzen wir auf dem Oberdeck, die Fahrt auf dem überdimensionalen Katamaran geht los. Ich höre über Lautsprecher noch kurz was von „over 25 knt“, schaue zur Seite und bemerke, dass alles, was Beine hat, damit beginnt, sich warm anzuziehen. Rita übringens auch. Häää? Scheiße! Rita hatte mich zwar gefragt, ob ich mit T-Shirt und Shorts auf Tour gehen will, aber irgendwie habe ich das wohl verpeilt. Ist Dir kalt, Preston? Neeee, Rita. Geht noch, alles klar!!!! Ich beiß die Zähne zusammen und konzentriere mich auf die unglaubliche Aussicht vom OObbbeeeerrrdeck. Plötzlich hält die Mühle und alles springt auf. Irgendwie steht alles an der Reling und starrt aufs Meer hinaus. Nix. 95%ige Delphingarantie hieß es. Und plötzlich ist Rita neben mir weg. Häää? Was ist denn nun? Ich eiere runter (denn an gehen auf diesem Boot bei diesem Wellengang war teilweise nicht zu denken) und höre Rita bereits rufen: „Daaaaaaaaaaaa!“ Eigentlich hat man es von überall gehört, aber Rita war auf jeden Fall deutlich heraus zu hören.
Tatsächlich, da hängt sie über der Reling und starrt aufs Wasser. Als ich mich dazugeselle stelle ich fest, dass die Delphine direkt am Boot, unterm Boot, vor dem Boot, ja überall sind. Es ist unglaublich. Jeder freut sich und kann es nicht fassen, wie nah diese Tiere doch kommen. Sie sollen ja Selbstdarsteller sein und das wird uns auf diesem Trip eindeutig bewiesen. Sprung am Boot vorbei- zum Greifen nah, paarweise vorm Boot auf dem Rücken schwimmen und hohe Sprünge durch die Luft. Es ist faszinierend diesen Tieren zuzuschauen. Leider dauert das Schauspiel nur gefühlte 10 Minuten - wir beide hätten anschließend auf die Inseltour verzichten können.
Aber wir hatten noch Zeit. Weiter ging es zum „Hole in the Rock“ am Cape Brett. Mitten im Felsen ist ein riesiges Loch zu sehen. Natürlich stellt sich jeder davor, um noch ein entsprechendes Foto machen zu können. Wir lieben ja diese Touristengeschichten. Irgendwann können wir uns aber auch nicht mehr dagegen wehren und holen, als niemand anderes mehr daran denkt, unsere Kamera raus. Bei fettem Wellengang hat es der Bootsfahrer doch tatsächlich gewagt, durch dieses Loch durchzufahren. Echt heftig. Ein Boot, was später kam und viel kleiner war, hat das Abenteuer nicht in Angriff genommen.
Zum Ende unserer Tour ging’s nach Urupukapuka. Wer, in Gottes Namen, soll denn so was aussprechen? Manchmal denken wir uns eigene Namen aus, denn die Maoriwörter kann kein normaler Mensch aussprechen.
Wenn man denkt, dass es schön ist, dann kommt kurze Zeit später irgendwas, was noch schöner ist.
Eine Traumkulisse. Eine Maoriebraut im typischen Gewand bot eine Führung an. Mr. Preston schrie als erster, machen wir! Schon beim ersten Stopp nach 3 min. am Bambus verabschiedete er sich mit den Worten, bis später dann, ist nix für mich. Bitte???
Okay, we will go alone. We don't understand so much. Eine bessere Ausrede ist mir auf die Schnelle nicht eingefallen. Schon waren wir wieder allein unterwegs zu den Look out Points und mussten unsere kostbare Zeit nicht mit Geschichten vergeuden. Im Nachhinein haben wir festgestellt, dass wir so viel mehr gesehen haben…
Als die Bootstour beendet war, ging es weiter im Bus Richtung Nordosten.
Dort sollte es touristisch weniger erschlossen sein und weiße Strände geben.
Schon der Weg dorthin war mal wieder malerisch, ein toller Spot jagt den nächsten, die Vegetation wechselt, man gewöhnt sich langsam daran, ständig. Nachdem wir uns durch bergiges Land gekämpft hatten, unser T3 wäre auf jeden Fall verreckt, sind wir an der Sandy Bay angekommen.
Hier waren einige Wellenreiter im Wasser und die Bucht glich der Barcadi Kulisse nur mit Felsen drum herum.
Es war Lunchtime angesagt. Schließlich war es schon 15.30 Uhr. Kartoffeln, Steak, Tomatensalat und Bratensauce. Was so ein Bus alles so hergibt. Man, es ist ja wie zu Hause.
Nur der Blick aus dem Küchenfenster ist ein anderer. Lang brechende Wellen im türkisblauen Wasser. Das muss fotografiert werden.
Nach einem After Lunch Bad gings weiter. Wir erinnern uns daran, dass wir geschrieben haben, dass das Wasser warm ist. Das müssen wir zurücknehmen. Denn nun konnten wir die eisigen Temperaturen des Wassers mal hautnah spüren. Alter Schwede ist das kalt. 15 Grad Ostsee- kurz davor, dass einem die Füße absterben.
Der malerischen Küste einfach weiter folgen und am Ende im Top Ten Tauchrevier landen. Tutukaka. Wieder so ein gut auszusprechender Ort. Hier sind wir dann dreimal am Look out Point vorbei gefahren, bis wir den Camperpark gefunden haben.
Aber kein Weg ist umsonst- wir haben die wunderschöne Bucht vom Ngunguru River entdeckt.
Eine Traumvorstellung, hier Kiten zu gehen. Nur nicht bei schwachen 5-10 knt. Vielleicht ja Morgen.
Die Orte und Strände sind menschenleer und wir genießen es, häufig allein zu sein. Auf den Straßen fahren derart wenig Autos, dass man zweifelt, auf der richtigen Strecke zu sein.
Und da jeder Tag ja auch was Negatives haben muss, … Ich möchte die von Delphinfotos fast platzende SD-Karte erlösen und stecke sie, WIE IMMER, zum Auslesen in den PC, drücke auf Ausschneiden, WIE IMMER, und warte, bis die Tausend Insel-, Delphin-, Bootsfotos und Videos endlich zum Ansehen auf dem PC sind.
Tja und was dann passierte, kann ich mir nicht erklären. Bis auf ein paar wenige Fotos zeigt der PC die Fotos nicht. Schweigen im Bus!!!! Wahrscheinlich hatte der PC mit den Videos derart viel zu tun, dass er alle Fotos und Videos danach nicht mehr anzeigen wollte. Sie sind zwar drauf, aber nicht zu öffnen. Ob es zu Hause klappt, keine Ahnung!
Und plötzlich bricht eine Diskussion im Bus aus. Preston, wir schaffen das nicht! Was denn? Wir schauen gemeinsam auf die Karte und stellen fest, dass in dem jetzigen Tempo eine Umrundung der Nordinsel in den 3 Wochen wahrscheinlich unmöglich erscheint. Wenn das Hobby mit den komischen Dingern in der Luft nicht wäre, wäre alles sooo einfach. Auf’s Kiten verzichten? Niemals! Da sind wir uns einig. Früher aufstehen, auf Frühstück verzichten…. Wir haben keine Ahnung. Wir haben uns mehr Zeit für die Südinsel eingeplant, hier sind aber die Strände so fett. Was denn nun? Wir haben keine Ahnung und überlegen, wo wir abspecken können. Wer hätte gedacht, dass wir jetzt schon anfangen, zu planen, obwohl wir genau das nicht wollten. Jetzt haben wir schon 2 Monate Zeit und kommen trotz dessen ins Schlingern. Wir mussten uns in punkto Überfahrt auf die Südinsel festlegen, da es sonst sein kann, dass die Fähre ausgebucht ist. Also haben wir uns 3,5 Wochen für den Norden gegeben und waren felsenfest davon überzeugt, dass auch schaffen zu können.
Aber was auf der Karte mit 100 km eingezeichnet ist, gestaltet sich in der Realität so, dass man hin und wieder 3 – 4 Stunden dafür braucht, weil es dank der Straßenverhältnisse und Steigungen anders gar nicht möglich ist. Ich muss häufig sogar im zweiten Gang den Berg rauf, weil es im 3. einfach nicht geht. Die Entscheidung, wann wir morgen aufstehen, auf was wir verzichten und bis wohin wir fahren, fällt heute Abend.
09-11-30 Ein langer Trip, die Zeit einzuholen...
Wir sind heute etwas früher aufgestanden. Ich stehe auf dem Campingplatz im Bad und putze mir im abgetrennten Bereich die Zähne, da sehe ich, wie 50 Cent unter mir durchrollen und unter meinem Waschbecken liegen bleiben. Gerade, dass ich mich bücken will, reißt jemand an der versperrten Tür und schreit, „Gib mir meine 50 Cent!“und reißt an der Tür, dass diese fast aus den Angeln fällt. Häää? Ich mache die Tür auf, gebe ihm den Taler und nicht mal ein Danke. Der Tag fängt ja gut an. Vor der Abfahrt stecken wir die SD Karte in die Knipskiste und siehe da, der Apparat streikt. Wie sich herausstellt, ist die SD Karte defekt. Also muss eine neue her. Wir cruisen nach einem ausgiebigen Frühstück los und am Ende des Tages stehen knapp 750 km auf dem Tacho.
Wir fahren auf dem Highway in Richtung Süden an Auckland vorbei, dann weiter Richtung Coromandel Halbinsel und sind froh, als wir endlich die Westseite der Halbinsel erreichen. Auf der Fahrt wechselte heute mal nicht die Vegetation, sondern das Wetter. Von Blauem Himmel am Morgen und deutlich über 20 Grad bis zu Regen und kalt war alles dabei. Wir erfahren, dass die Ostseite der Halbinsel viel schöner sein soll und suchen auf der Karte eine Querverbindung von West nach Ost. Wir fahren auf eine Straße, die auf der Karte auch als solche eingezeichnet ist. Erst wurde aus Asphalt Schotter, dann verringerte sich die Straßenbreite auf ca. die Hälfte, dann kam auch noch Regen und Serpentinen dazu, die derart gewinkelt waren, dass ich teilweise das Lenkrad 360 Grad drehen musste und weil das noch nicht reichte, kamen uns dann auch noch fette Trucks mit Bäumen hinten drauf entgegen. Aber zu allem Überfluss stehen wir kurz vor der Bergspitze und plötzlich Baustelle. Die Straße ist gesperrt, heißt es. Also umdrehen und wieder zurück. Von wegen, es sei ausgeschildert gewesen. Nix war ausgeschildert. Aber einige km später versuchen wir es erneut mit einer Querverbindung, die ähnlich beschaffen ist, wie die Straße zuvor. Man winkt uns auf dem Weg mehrfach lachend zu und zeigt uns wohlwollend den Daumen. Was schließen wir daraus? Hier fahren nicht häufig Wohnmobile und wenn wir ehrlich sind, sehen wir nur Jeep’s , die die Strecke befahren. Auf halber Strecke erreichen wir die Waiau Falls und da anscheinend überall Deutsche sind, lassen wir uns von eben diesen kurz davor fotografieren. Nach Ankunft am Hot Water Beach bestaune ich unser Auto, das von oben bis unten eingesaut ist. Am Hot Water Beach kann man bei Ebbe Löcher am Strand buddeln und bedingt durch aufsteigende heiße, schwefelhaltige Vulkangase kann man so am Strand heiß baden. Der Strand ist traumhaft, aber es ist gerade Flut. Meine Tidenuhr ist nicht umgestellt und so war es auch nicht vorherzusehen. Wir sind allein und sehen zwei Spaten und mehrere Löcher am Strand.
Aber Nichts ist warm oder heiß, weil mittlerweile die Brandung in die Löcher läuft. Wir sehen, wie das Wasser beim Ablaufen brodelt. Als würde es kochen. Wir setzen uns einige Meter kurz vor die Felsen in den Sand und plötzlich schaut mich Rita mit großen Augen an und sagt, „Es ist warm im Sand!“ Ich vergrabe meine Füße auch und spüre auch die Wärme. Nun will ich es wissen. Ich nehme den Spaten und grabe tiefer. Im Reiseführer steht, je tiefer, desto wärmer. Als ich grabe, sehe ich verbranntes Holz und wir beide wundern uns. Wie, verbranntes Holz. Genau dort, wo Rita gesessen hat, hat irgendein Trottel, entgegen allen Verbotsschildern und Warnungen erstmal ein Feuer gemacht und den Rest vergraben. Es dampfte sogar noch. Genau da haben wir gesessen, denn woanders wurde es beim Graben nicht warm. Ich schmiss die Schaufel weg und zurück zum Auto. Weiter geht’s in Richtung….
Eine traumhaftes Städtchen, mit Häusern, wie aus einem Western.
Whitianga- ein Feriendomizil für die Kiwis aus der Umgebung. Der Abend hat Sonne und Wärme mitgebracht und es fühlt sich an wie bei uns im Sommer. Wir entschließen uns, endlich mal von dem Fleisch zu kosten, das so umschwärmt wird.
Zwei Steaks bitte dazu einen neuseeländischen Rotwein und einen tollen Ausblick auf die Hafenkulisse.
Sehr gelungen- das Essen und auch der Rest.
Danach besteigen wir unseren Campervan, stellen uns rückwärts an den Hafen und machen es uns gemütlich.
Als Preston kurz aus dem Auto verschwindet und ich am Reiseführer studieren bin, ertönt plötzlich aus dem Ort ne mördermäßig laute Sirene. Man, da platzt einem gleich das Trommelfell und das Herz rutscht in die Hose. Scheint wohl Feueralarm zu sein und kein Tsunami. Die Leute bleiben in ihren Häusern und die Straße bleibt tot wie zuvor. Glück gehabt.
09-12-01 Von Waihi nach Matamata zu den Hobbithöhlen
Die Nacht am Hafen war traumhaft ruhig und sehr mild. Was haben wir toll geparkt, schön mit Blick auf den Hafen und unter Palmen. Wir klappen die Hecktüren auf und beginnen ruhig den Morgen. Als Rita kurz auf Toilette geht, steht da plötzlich ein Typ zwischen den Türen und brubbelt irgendwas von wild campen, falsch parken… Mann, ich bin noch nicht mal ganz wach und dann so was… Er füllt einen Zettel aus und reicht ihn mir, während ich nur mit dem Kopf aus der Decke schaue. Abstreiten und wilde Geschichte ausdenken ist nicht mehr. Er geht plötzlich und belässt es bei der Verwarnung ohne Geld. Vielleicht sah ich wirklich etwas verschlafen aus… Ich weiß es nicht. Wir frühstücken und fahren in die Goldgräberstadt „Waihi“. Auf dem Weg dorthin riecht es in unserem Mobil, als hätten wir ne Biogasanlage an Board. Dazu kommt, dass die Bremsen quietschen, als hätte das Auto monatelang gestanden. Ich vermute stark, dass der „kleine“ Ausflug in die Berge, der äußerlich ja auch heftige Spuren hinterlassen hat, die Bremsen zu sehr beansprucht hat und unser Bus damit doch etwas überfordert war.
Nachdem es selbst mit Fenster auf nicht mehr auszuhalten ist, laufen wir die nächste Abwasserstation an und lassen das Brauchwasser ab, um zu überprüfen, ob es eventuell noch andere Gründe haben könnte oder ob es tatsächlich daran liegt. Die Toilette kann es nicht sein, denn die nutzen wir nicht, weil es wirklich überall öffentliche gibt. Allein das Wasser vom Abwaschen und Duschen riecht derart erbärmlich, dass an eine Weiterfahrt nicht zu denken ist. Jetzt wissen wir, warum sie keine Anzeigen eingebaut haben. Wasser ist leer, wenn kein Wasser mehr aus dem Hahn kommt und Abwasser ist voll, wenn es riecht.
Wir legen einen kurzen Stopp in der Goldgräberstadt Waihi ein und besuchen zuerst die noch bestehende Goldmine. Danach gibt es eine Fahrt in Neuseelands einziger und wirklich uralten Lok quer durch die Natur. Es sah alles aus wie in einem schlechten Western. Wir saßen zu viert im Waggon und genossen mehr oder weniger die Tour. Von spektakulär kann aber keine Rede sein. Wir waren danach beide derart müde, dass wir später am Strand anhielten und in der Sonne einschliefen. Danach ging es weiter ins Landesinnere, die Hobbithöhlen aus „Herr der Ringe“ wollen wir in Matamata besichtigen. Auf dem weg dorthin halten wir noch an einem Straßenstand an und decken uns mit Kiwi’s, Orangen und Erdbeeren ein. Der Campingplatz in direkter Nähe zu den Höhlen war etwas schwer zu finden, wartet dafür aber mit 3 Thermal-Becken auf, die von Vulkan-Quellen gespeist werden. Gleich nach Ankunft geht’s in das 37 Grad heiße Becken, mit Wasser, direkt aus der Erde.
Im Umbauen des Bettes sind wir mittlerweile Meister, jeder Handgriff sitzt und so ist das Riesenteil in Sekunden hergerichtet. Morgen früh geht’s dann zu den Hobbits und gleich weiter zu den Vulkanfeldern nach Rotorua.
Als wir heute Morgen den letzten Tagesbericht online stellen wollten, haben wir gesehen, dass es auch einige Kommentare auch für uns zu lesen gab. Wir wollten auf diesem Wege unsere Familien und Freunde grüßen, sie fest drücken und los werden, dass wir uns sehr darüber freuen, dass Euch unsere kleinen Berichte gefallen.
Ich denke, dass allein die Tatsache, Geschehenes aufzuschreiben, davor bewahrt, nicht alles zu vergessen. Ich selbst weiß einen Tag später schon nicht mehr, wie die Orte hießen, an den wir waren. Deshalb ist es gut, auch selbst nachlesen zu können, um die Bilder auch zuordnen zu können und dem Kopf eine kleine Stütze zu geben. Ganz liebe Grüße noch mal an alle und wie gesagt, wir freuen uns sehr, so Kontakt zu Euch allen halten zu können.
09-12-02 Der erste Kiwi life
Heute sind wir sehr früh aufgestanden und haben uns auf den Weg nach Rotorua gemacht. Auf dem Weg dorthin machte uns der Regen einen Strich durch sämtliche Planungen. Also sind wir zum Info-Zentrum für die Hobbithöhlen gefahren und dort wurde uns gesagt, dass die Besichtigung nur in Verbindung mit einer Farmrundtour gekoppelt gebucht werden kann.
Kurz überlegt und beide haben wir uns gegen die extrem überteuerte Tour entschieden, denn Zuschauen, wie sie Schafe scheren und uns wieder einmal die Pflanzen erklären, das brauchten wir nicht für 58 $ pro Person. Wir hatten noch kurz überlegt, auf den Tourbus zu warten und dann hinter diesem zu den Höhlen zu fahren, sind dann aber doch gleich in Richtung Geysire gefahren.
Mit dem Radio im Auto hat es sich übrigens auch erledigt, weil der gefundene Sender an der nächsten Kurve bereits wieder weg ist.
In Rotorua angekommen, sehen wir gleich zu Beginn die Kiwi-Farm. Was erwartet man schon von einer solchen Führung? Ein paar Bilder, ein paar Videos und einen endlangen Vortrag.
Wir kamen rein und schon waren wir in der ersten Führung des Tages. Wir stehen im Vorraum, alles dunkel und kalt und man erzählt uns alles, vom Ei bis zum Kiwi. Rita fasziniert und die ganze Zeit am grinsen. Mitten im Vortrag kommt eine Mitarbeiterin aus einem Raum, der nur durch dicke Scheiben zu sehen war und bitte uns, mitzukommen. Man sah hinter den Scheiben ein paar echte Eier, die fast so groß sind, wie Straußeneier, in Brutapparaten. Sie führt uns zu einem Außengehege und sucht den einen kleinen Kiwi, der jetzt in die Erwachsenenstation verlegt werden sollte. Nix zu finden und schon suchen zwei Mitarbeiter in dem Gehege und drehen alles an Kisten um, was an Unterschlupf genommen werden kann. Nix. Plötzlich finden sie ein Loch und schon ist er strampelnd in den Händen der Pflegerin. Viel größer als wir alle gedacht hätten, mit wirklich riesigen Füßen. Wir stehen davor und sehen ihn aus einem halben Meter Entfernung. Es hieß vorher noch, dass es eine absolute Seltenheit und Ausnahme sei, dass wir dabei sein dürften. Und es hieß auch, dass keinerlei Fotos mit Blitz gemacht werden sollten, weil es eine Station sei, die sich primär um den Populationserhalt kümmert, als darum, Touristen die Kiwis zu zeigen.
Da stößt noch eine weitere Besuchergruppe zu uns und wer ist wieder mit dabei? Die dusseligen Sachsen aus dem Kauri-Museum. Der, der da auch schon so vorlaut war, drängelt sich vor, nimmt seine Kamera und fotografiert, natürlich mit Blitz. Alle schauen den Dämel erschüttert an und er schaut derart bescheuert in die Runde, dass ich kurz davor bin, ihm seine Kamera in den Allerwertesten zu schieben. Nicht, dass das reichen würde, nein, danach wollte er noch nach dem Kiwi grabschen, wurde dann aber von der Pflegerin zurechtgestutzt.
Danach ging es zurück in die heiligen Hallen der Kiwiaufzucht. Hier erwartete uns eine weitere Überraschung. Sie öffnete eine Tür, sagte uns vorher, dass wir nun die erwachsenen Kiwis sehen würden, und schon standen wir in einem dunklen Raum. Links und rechts waren jeweils abgetrennte Bereiche, in denen Wald naturgemäß nachgebildet worden war. Man hörte ein Picken und schon war der erste Kiwi zu sehen. Er stocherte mit dem Schnabel in der Erde und schien nichts von der Anwesenheit der Besucher mitbekommen zu haben.
Insgesamt waren dort 3 Kiwis zu sehen. Es war eine tolle Erfahrung. Im Nachhinein meinte Mr. Prestin, dass er ja gar nicht gewusst hat, wie süß die sind. Er meinte bis heute, die seien voll hässlich.
Danach ging es gleich weiter in Richtung Innenstadt. Ein erbärmlicher Schwefelgeruch lag über der gesamten Stadt. Überall zwischen den Häusern dampfte und brodelte es. Wir fuhren weiter zu dem größten Geysir und standen kurze Zeit später im strömenden Regen vor zwei riesigen Wasserfontänen. Im gesamten Gelände blubberte es in heißen Quellen, Matschlöchern und Seen.
Dank des Regens beschränkte sich unser Besuch in Roturua auf Kiwi und Geysir und schon fuhren wir wieder in Richtung Meer.
Irgendwie in der Hoffnung, dass der Regen aufhört und wir wieder auf’s Wasser können. Der Weg dorthin war sehr einsam. Überhaupt sind die Straßen wenig frequentiert. Hin und wieder kommt mal ein Womo vorbei und die meisten winken. Wenn man mal einen Truck sieht, dann kann das schon mal sein, dass dieser einen überholt, obwohl man selbst schon 120 km/h auf dem Tacho stehen hat.
Mehrere hundert Kilometer an schwarzen Stränden vorbei mit reichlich Treibholz. Kein Wind und noch immer heftiger Regen. Wir kommen gegen Abend in „Hawai“ an, steigen kurz für ein Foto aus und entscheiden uns dann aber, weiter zu fahren. Wir finden einen wilden Campingplatz, der direkt an der Steilküste liegt und einen unglaublichen Blick aufs Meer erlaubt. Das erste Mal keine Toiletten und keine Dusche, nicht mal ein Office. Ein Platz halt. Gerade, dass wir stehen, fängt es zu schütten an und hört bis zum Morgen nicht auf.
Irgendwie haben wir dann doch Mitleid mit dem Paar, was grad noch romantisch am Lagerfeuer saß und die Nacht im Zelt verbringen muss...
09-12-03 Von Waikawa über das East Cape bis Gisborne (Km-Stand: 2400)
Wir wachen morgens auf und was ist zum Abend zuvor gleich geblieben? Der Regen. Es geht gar nicht, nur noch Regen und heftig kalt. Die Rasenfläche um uns herum ist komplett aufgeweicht und wir machen uns Sorgen, ob wir überhaupt in der Lage sind, aus eigener Kraft vom Campingplatz ein klein wenig bergauf zur Straße zu fahren. Wir packen alles zusammen und kommen behutsam und ohne große Probleme vom Platz und sind auf dem Weg zum östlichsten Punkt Neuseelands, dem East Cape. Die Straße dorthin gleicht zwischenzeitlich eher einem Trampelpfad und ab und an fehlt auch davon noch die Hälfte, weil der andere Teil ca. 200m tiefer in den Abgrund gerutscht ist. Bei Gegenverkehr muss man dann auch mal stur bleiben. Dasselbe gilt an der Tankstelle mit einer einzigen Säule. Man stellt sich hinten an, Einheimische fahren einfach nach vorn. Geht ja schnell. Man hat ja nur noch 4 zusätzliche Kanister im Kofferraum und wenn man schon mal hier ist, dann kann man diese ja auch gleich volltanken. Der Tankwart mit Funkgerät ausgestattet und so mit den Damen im Supermarkt verbunden steckt dann irgendwann den Rüssel rein und später dann ist er dreimal nicht in der Lage, den Betrag von der Säule abzulesen. Am Ende sollte dann die Literangabe der Betrag sein. Ich klärte ihn auf und wir wurden uns einig. Am East Cape angekommen ein kurzer Hoffnungsschimmer, heftiger Wind und mal kein Regen. Wo doch die Aussicht vom Leuchtturm oben auf dem Hügel so unglaublich sein soll. Wir steigen unfassbare 700 Stufen den Berg hinauf, um dann wieder im Regen am Leuchtturm zu stehen. Man sah noch schemenhaft die vorgelagerte Insel, an der schon einige Schiffe im wahrsten Sinne die Zähne ausgebissen haben sollen. Aber eines steht mal fest, Wind ist auf jeden Fall hier oben und schon beschließen wir, den nächsten Strand anzulaufen. Die Treppen hinunter zum Auto glichen einer einzigen Rutschpartie. Die Holzbalken waren durch den Regen derart rutschig, dass es dem Zufall zu verdanken war, dass heil unten ankamen. In Schräglage kamen wir beide aber des Öfteren. Wir waren schon lange nicht mehr auf dem Wasser und deshalb ist es jetzt auch egal, ob es regnet. Wir kommen irgendwann kurz vor Gisborne an einen sehr weitläufigen Strand, den wir schon von der Bergspitze gesehen haben. Der Wind hat abgenommen und unten angekommen, fängt es wieder an, zu nieseln. Dazu ist der Wind sehr kühl. Es fühlt sich gar nicht mehr nach subtropischem Klima an. Wir sehen in die Brandung und beschließen, trotzdem aufs Wasser zu gehen. Rita kam mit dem 12er nach der ersten Welle zurück und sagte noch, das ist nichts für mich. Wie? Die Wellen sind überall und brechen unkontrolliert und dazu noch riesengroß. Irgendwie sieht das vom Strand gar nicht so schlimm aus. Ich nehme Rita’s Kite und weiß innerhalb kürzester Zeit, was sie meint. Schnell noch eine Nummer größer genommen, in der Hoffnung, dass man so der erbarmungslosen Brandung schnell entkommen könnte, aber auch mit dem 15er und voll auflandigem Wind, ist es haarsträubend, wenn locker 3-Meter-Wellen auf einen zurollen und unkontrolliert brechen. Ich versuche das Beste, aber das Beste ist manchmal nicht gut genug. Dem einen oder anderen Waschgang kann auch ich mich nicht entziehen und so ist unsere Fahrpause kürzer als erwartet. Wir kommen in Gisborne an und empfinden diese Stadt beide als nicht wirklich sehenswert. Wir bemerken, dass selbst Restaurants um 18 Uhr schließen und können gerade noch einen Sushi-Laden entdecken, der gerade schließen will. Wir nehmen unser geliebtes Mahl mit ins Mobil und essen ein wenig später auf einem überteuerten Campingplatz direkt am Strand. Es ist Wind, aber kurz vor Sonnenuntergang. Wir hoffen auf Morgen.
09-12-04 An der Ostküste weiter südlich von Gisborne nach Napier
Endlich, es hat zum Aufstehen mal nicht geregnet und beim ersten Rausschauen aus dem Fenster die blanke Ernüchterung, der Wind ist weg. Die Brandung ist zwar zu hören, aber absolute Windstille. Und das, wo es hier bestimmt richtig Spaß gemacht hätte und weil die Brandung lang und gemächlich ausläuft.
Stattdessen fahren wir endlos lange durch die Stadt und suchen teilweise vergeblich Wlan.
In der Bücherei sind wir dann endlich fündig geworden.
Danach noch kurz an den Strand und ich muss einen kleinen Vogel aus unserem Kühler operieren. Während wir ein paar Meter vor unserem Bus stehen und aufs Wasser starren, macht sich dieser plötzlich selbstständig und rollt, trotz eingelegtem 1. Gang, in Richtung Wasser, bis er an der Bordsteinkante zum stehen kommt. Nichts passiert. Es ist ein Zeichen, denken wir und machen uns auf den Weg in Richtung Napir, einer, wenn man dem Reiseführer Glauben schenken darf, im Art Deko Stil weltweit einzigartigen Stadt. Wir werden sehen. Wir suchen noch schnell eine öffentliche Abwasserstation auf und als wir diese aufklappen und den Hahn aufdrehen, plötzlich ein heftiger Knall. Wir drehen uns um und sehen, dass die riesige Metallklappe der Ablassstelle von allein wieder zugegangen und natürlich auch gegen unseren Bus geballert ist. Was ist denn heute los? Ne kleine Beule, die wir schnell wieder rausdrücken und bloß schnell ins Auto und weg hier.
Die letzten Tage in Richtung Osten haben uns immer weiter in die Abgeschiedenheit geführt, es wird immer einsamer und Tankstellen immer seltener.
In Napier angekommen werden wir gleich von einer netten Architektur überrascht. Da wir erst gegen 16.00 Uhr ankommen, schlendern wir durch die Straßen und stellen fest, dass fast alle Geschäfte geschlossen haben oder dabei sind, zu schließen. Selbst in einem Cafe bekommen wir nicht mal einen solchen, obwohl noch Leute im Lokal sitzen. Alles schließt um 16.00 Uhr. Was soll das denn? Selbst das Aquarium ist geschlossen und somit fällt unser Besuch in der ach so tollen Stadt nur äußerst kurz aus. Wir finden für Rita einen Starbucks und eine Stunde später haben wir die Umrundung der Nord- und Ostküste beendet. Wir entscheiden uns, ins Landesinnere, nach Taupo, zu fahren. Der Weg führt durch heftige Schluchten und mal wieder regnet es.
In Taupo, einer Stadt am größten See Neuseelands, entstanden durch ein Erdbeben, glasklar und blau schimmernd, voll mit Forellen, die man nicht verkaufen und nur zum Eigenverzehr fangen darf. Wir essen in einem Nudelhaus und müssen total vollgefressen durch die kleine City spazieren. Überall wimmelt es von Ausflugsangeboten, Jetboote, Riesenschaukel ( wie Bungee nur als Schaukel) Raftingtouren, Fallschirmspringen, Bungee usw. Jetzt werde ich wach. Es gibt Geothermalfelder, die das Wasser aus der Erde nutzen, um aus Malaysia stammende Garnelen zu züchten, die man vor Ort auch gleich verspeisen kann.
Wenn wir morgen das durchziehen, was wir uns vorgenommen haben, dann sitzt mindestens einer von uns mit ner ausgerenkten Gräte humpelnd im Bus oder wir sabbern unser Bettzeug im Schlaf voll, weil wir vom Schreien den Mund auch nicht mehr schließen können.
Alle Leute, die wir treffen, sagen uns, dass die Südinsel um ein Vielfaches faszinierender sein soll. Und außerdem steht uns der Surfhighway entlang der Westküste der Nordinsel auch noch bevor, plus die Aktivitäten, die eigentlich jetzt erst beginnen.
09-12-05 Taupo, was für ein Tag
Wie soll man diesen Tag beschreiben?
Wir sind am Fluss aufgewacht und noch liegend hören wir den Regen auf’s Dach tröpfeln. Ich erinnere mich an meinen Traum, dass Rainer und Renate im Keller einen unterirdischen Fluss haben und wir Forellen geangelt haben. Nun ja, befassen wir uns lieber mit dem, was danach passierte. Zum Frühstück stand mal wieder alles, was Beine hatte, um unser Auto und Rita konnte sich mal wieder nicht entscheiden, was denn nun süßer ist, die Babyenten oder die Vögel.
Früh aufgestanden und zum Jetbootanbieter gefahren. Ich hatte viel gehört, Rita ne Menge gelesen und schnell war der beste Anbieter gefunden. Die Angestellte im Office meinte noch, ist nicht viel Wasser im Fluss, also keinen Sorgen machen, man wird nicht nass. Wir ziehen uns, im Gegensatz zu den anderen angekommenen Gästen, eine wasserdichte Jacke über und tauschen unsere Schuhe gegen Neopren. Wie die anderen uns anschauten? Egal, sicher ist sicher, obwohl der modrige Gestank der Jacken nicht leicht zu verkraften ist. Vorweg gibt es noch ein Foto und schon sitzen Riten und ich im Jetboot ganz vorne neben dem Fahrer. Das Wasser ist kristallklar und hellblau, man sieht überall den Grund, die fetten Steine, Fische, einfach alles. Das Boot ist voll und wir sehen noch, wie hinter uns jemand mit einer Anzughose und Hemd einsteigt. Ob das wohl gut geht? Die Fahrt geht nach einer Einweisung los und wie sie losgeht. Der Typ ist doch echt bescheuert. Er fährt wirklich nur Zentimeter an Felsen und Ästen vorbei, springt über Stromschnellen, so dass das Boot komplett das Wasser verlässt und macht auf dem engen Fluss unzählige 360 Grad Drehungen. Hin und wieder bleibt er stehen und setzt sich an den Rand und nuschelt ein paar Geschichten, die ich nicht hören will. Er soll Gas geben. Es macht richtig Spaß und am Ende stehen wir vor einem Staudamm, der gerade Wasser ablässt und er fährt dann auch noch genau da rein. Am Ende steigen wir aus und was soll ich sagen, alle komplett nass bis auf die Haut, nur Rita und der Preston nicht.
Rein ins Auto und schon zum nächsten Anlaufpunkt. Mittlerweile hat sich der Regen verzogen und die Sonne scheint hin und wieder. Es wird richtig warm und wir fahren zu den Huka Falls.
Gleich danach ging es zu dem „crater of the moon“. Im Reisefüher steht, es sei umsonst, aber auf dem Parkplatz angekommen stellen wir fest, dass auch hier wieder Kohle verlangt wird. Es ist bei uns ja eigentlich nicht anders. Wir gehen rein und stehen inmitten dampfender und blubbernder Krater. Ein Weg führt ewig lang an wirklich jedem dampfenden noch so kleinen Krater vorbei und plötzlich verlässt uns die Lust. Wir schauen auf die Karte und sehen, dass man mittendrin abkürzen kann und so schnell wieder zum Ausgangspunkt gelangt. Wir suchen diesen verdammten Weg, können ihn aber nicht finden. Rita zeigt auf einen Pfad, der mitten durch die dampfenden Löcher geht und wirklich, er sieht irgendwie aus wie ein Pfad. Wir steigen vom befestigten Holzsteg hinunter und gehen diesen vermeintlich richtigen Weg.
Überall im Gelände sind übrigens Schilder mit der Aufschrift „Danger“ verteilt, weil es, dass weiß ja jedes Kind, ein Vulkan ist. Während wir diskutieren, ob es nun der eingezeichnete Weg ist oder nicht, stehen ein paar Meter vor uns andere Besucher, die uns mit riesigen Augen anstarren. Was denn los? Was glotzen die so, Rita? Wir drehen uns zur Seite und stehen direkt neben einem solchen Schild, was von hinten aber echt nicht zu lesen war. Wir steigen über den Zaun, sind plötzlich kurz vor dem Ausgang und schnell hier raus…
Gleich danach geht zu der schon gestern erwähnten Garnelenzucht. Wir bestellen uns eine Portion für 2 und hauen uns das überteuerte Zeug rein. Daneben große Becken, in denen man die Teile angeln kann. Überall sitzen Leute. Wir wollen nach dem Essen auch mal schauen, ob da schon einer was gefangen hat und fragen höflich, ob wir uns mal umsehen dürften. Der Typ nuschelte irgendwas, wir beide tun uns übrigens außerordentlich schwer, das neuseeländische Englisch zu verstehen. Nicht erst einmal komme ich mir vor wie ein Analphabet, aber es ist wirklich kaum zu verstehen, weil sie Wörter ganz anders betonen, Buchstaben ganz anders aussprechen und dazu auch noch nuscheln, was das Zeug hält.
Kaum gehen wir an den Angelteichen vorbei, da kommt uns der erste entgegen mit so einem Teil unten dran. Witzig. Wir quatschen kurz und schon ruft man uns. Was denn jetzt schon wieder? Wir glauben nicht, dass man uns meint und wir gehen weiter. Da kommt man uns schon entgegen gelaufen und sagt uns, dass selbst das herumlaufen und schauen Geld kosten würde. Das haben wir irgendwie überhört. Naja, dann also raus und schon geht’s auf die Suche nach dem „Giant Swing“. Eine Schaukel über einen Abhang, haben wir gehört, die billiger ist wie Bungee und ähnlich geil sein soll. Wir hören, dass es am Bungeeturm ist und fahren dorthin. Gerade angekommen, hören wir neben den schreienden Springern, dass es hier noch nix mit dem Swing geht und es erst in ein paar Tagen wieder möglich sein wird. Was dann kommt, gefiel Rita gar nicht. Ich schwenkte um auf Bungee und meinte zu Rita „Komm, wir beide zusammen“ Rita grinst und quetscht sich noch „Das ist nix für mich“ raus.
Aus 147 Metern von einem Felsen unter den Augen zahlreicher Besucher geht’s runter in Richtung Fluss. Mit Eintauchen oder ohne, hören wir und irgendwann stehen Rita und ich im Office. Wir werden gewogen und schon geht’s los. Wir sitzen auf dem Absprungturm, werden aneinandergeknotet und da stehen wir am Abgrund und schauen in die Tiefe. Was für eine Scheiße ist das eigentlich, frage auch ich mich und kaum das wir hochschauen sollen, damit von unseren zerfressenen Gesichtern auch noch ein Foto gemacht werden kann, springen wir und tauchen bis zum Bauch in den tiefblauen River ein. Erst da werden wir wieder wach. Es ist als hätte man kurz geschlafen. Den Fall runter von der Plattform, daran können wir uns noch erinnern, dazwischen der Teil fehlt und dann das Eintauchen.
Wir walken den ewig langen Weg zum Office zurück und natürlich müssen wir auch unsere Fotomappe für elendig viel Geld mitnehmen. Was soll’s.
Raus aus der Stadt und auf nach Waitomo, zum Black Water Rafting und den Glühwürmchen.
Die Fahrt unter strahlend blauem Himmel, durch wirklich unwirkliche Natur, am Fluss entlang, war einzigartig. Wir hatten bei den Kratern eine Deutsche getroffen, die uns irgendwie total verplant irgendetwas von „Teletubbies“ Bergen erzählt hatte. Die Sendung habe ich zwar irgendwann mal gesehen, aber was sie gemeint hatte, wusste ich erst, als wir diese Straße entlang fuhren. Es sieht manchmal so aus, als würde man durch eine Filmkulisse fahren, die real nicht existiert. Die vielen unterschiedlich hohen Berge, die Wiesen, die einzelnen Bäume, als hätte das jemand ausgemessen und auf ne Leinwand gemalt. Es lässt sich schlecht beschreiben und auf den Fotos erkennt man eh nur einen winzigen Teil.
Wir kommen in Waitomo an und gleich haben wir für morgen früh um 09.00 Uhr zwei Plätze reserviert, um unterirdisch einen Fluss in einem LKW-Schlauch durch Glühwürmchenhöhlen zu rutschen. Wir sind erschrocken, wie teuer hier ein Stellplatz auf dem Campingplatz ist und kommen deshalb wenige hundert Meter davon entfernt viel günstiger in einem Hostel unter.
Wir liegen nach dem Abendessen vollgefuttert im Bus und genießen seit langem mal wieder die Wärme der Abendsonne. Zum Glück weht ein Lüftchen und so bleiben uns auch die schwulen Sandfliegen erspart. Unsere Beine sind mittlerweile derart zerstochen, dass wir mittlerweile glauben, dass wir ein Nest im Bus haben müssen. Die Dinger sind so klein wie Obstfliegen, beißen aber, was das Zeug hält. Das Schlimme ist, dass man sie nicht hört und so ist die Jagd im Bus nicht immer von Erfolg gekrönt.
09-12-06 Von Waitomo nach Oakura- dem Surfbeach an der Westküste
Nach einer nunmehr wärmeren Nacht als die zuvor- dank des Wärmelüfters- stehen wir früh auf. Black Water Rafting in den Glühwürmchenhöhlen.
Wir sind pünktlich am Treffpunkt, füllen schnell alle notwendigen Papiere aus- wie immer, wenn es vermeintlich heikel wird auch die Nofallnummer. Hier soll dann der Hinterbliebene erreicht werden können- immer müssen unsere Eltern herhalten.
Hauptsache dann geht auch jemand ans Telefon.
Wir werden von den üblichen Guides begrüsst- einem Rastatypen und Lulu. Schon dürfen wir uns in stinkende Socken und dicke Neo’s, die wahrscheinlich sonst was für Bakterien enthalten, reinquetschen. Zu allem Übel sind die Sachen auch noch nass und es kostet etwas Überwindung, das Zeug anzuziehen. Egal. Die anderen Teilnehmer trifft dasselbe Schicksal. Wie bei jedem Abenteuer ist auch hier wieder jemand Spezielles dabei. Hier ist es ein dicker Neuseeländer mit seiner Frau. Er trägt ne riesige Brille und schleift einen Reisekoffer hinter sich her. Wozu braucht man den denn beim Rafting? Als es an die Einweisung geht und eine Person fehlt, erklärt er, dass es sich dabei um seine Frau handelt, die sich noch einen Kaffee holt.
Soviel Gelassenheit wünschen wir uns auch. Nachdem wir uns in die Ausrüstung geschmissen haben- selten habe ich Mr. Preston erotischer gesehen- geht’s zum Fotoshoot. Leider müssen wir wieder auf den Neuseeländer und seine Frau warten. Der Kaffee hat wohl etwas gedauert. Schön, dann können wir ja.
Wir sitzen alle im Bus und wer quetscht sich neben uns, den Kaffeebecher immer in der Hand? Richtig- unser Lieblingspärchen. Beide sind im Neo so dick, dass das mit dem Anschnallen schon schwierig wird. Ein gefundenes Fressen für Mr. Preston. Spätestens hier haben wir schon fünf Mal so richtig herzlich über beide gelacht.
An einem kleinen Flusszulauf üben wir mit einem Reifen wie man rückwärts den Wasserfall runterspringt. Da hier etwas Strömung ist, wird uns erklärt, dass wir nach dem Sprung in Richtung Leiter schwimmen sollen und da hochklettern. Ansonsten treiben wir ab. Kaum, dass Mrs. Coffee ins Wasser gesprungen ist, treibt sie auch schon an der Leiter vorbei. Unser Beachboyguide ist sehr erbost darüber und muss sie retten. Alleine wäre sie wohl nicht wieder zur Gruppe zurückgekehrt.
Endlich gehts zur Höhle. Wir testen unsere Kopflampen am Helm- Prestons hat ein Wackelkontakt, aber einmal raufschlagen- fertig.
Auf wackeligen Steinen klettern wir die Schlucht runter und befinden uns im .....























